Heilig-Kreuz-Kapelle

Die Heilig-Kreuz-Kapelle neben der Oberhofenkirche

Die Heilig-Kreuz-Kapelle

Die Heilig-.Kreuz-Kapelle neben der Oberhofenkirche ist das älteste sakrale Denkmal in Göppingen. In einer Urkunde aus dem Jahre 1431 wurde für diese damals sicher schon seit langer Zeit bestehende Kapelle durch die Stadt und Bürgerschaft eine Messpfründe gestiftet. Als Kapellentitel und Kapellenheilige werden hier das „Heilige Kreuz“ und der Heilige Leonhard genannt. Das „Hl. Kreuz“ ist das Patrozinium vieler berühmter Kirchen und bezieht sich auf die legendäre Auffindung des Kreuzes Christi in Jerusalem durch die römische Kaiserin Helena im 4. Jahrhundert. Viele, darunter manche nur unsicher bezeugte Partikel dieses Kreuzes wurden in den ihnen gewidmeten Kirchen als kostbare Reliquien verehrt, auch einst im Altar unserer Kapelle.

In zahlreichen Schriftstücken erscheint die Göppinger Heilig-Kreuz-Kapelle als Toten- und Gruftkapelle, besitzt aber auch den Rechtscharakter einer Kirche, in der der Kaplan der Oberhofenkirche drei Mal wöchentlich in feierlichem Ritus die Messe las. Unserer Kapelle kommt damit eine kirchlich hochrangige Stellung zu, die auch in der Bestätigung einer Messstiftung durch den Landesherrn Herzog Ulrich im Jahr 1509 ihren Ausdruck fand. Warum von ihr nur der Chor übriggeblieben ist und das geräumige Schiff mit Westturm wohl abgebrochen wurde, wissen wir nicht. Doch ist die vollständige Kapelle im „Filstal-Panorama“ aus dem Jahr 1535 deutlich abgebildet. Noch heute erinnert der erhaltene Chor inmitten von Gräbern und Grabsteinen an die ehemalige Friedhofkapelle, deren zur Oberhofenkirche axial verschobener Grundriss sie aber gleichzeitig als eine Art Neben- oder Filialkapelle der Pfarrkirche ausweist.

Die Nische rechts an dem im gotischem Spitzbogen gemauerten Chorportal dürfte als „Tabernakel“ für die Aufnahme der geweihten Hostien gedient haben. Die das Gewölbe tragenden Rippen und Maskenkonsolen und das lichtdurchbrochene Maßwerk beleben diesen kirchlichen Kleinraum mit einem Hauch spätgotischer Spiritualität.

Die von Petra Zimmermann-Reiner geschaffenen Farbfenster, in denen das „Heilig-Kreuz“ passionsfarbig violett aufleuchtet, setzen ein religiöses Sinnzeichen — für „Einkehr und Gebet“ an bestimmten Tagen, vielleicht auch für die hier angedachten Ausstellungen.

Das Kleinod der „Heilig-Kreuz-Kapelle“ gereicht gewiss der gesamten Göppinger Oberhofen-Kulturmeile zur Zierde und tieferen Bedeutung.

Konrad Plieninger

(aus: Doppel:Punkt, Gemeindebrief der Stadtkirchengemeinde-Oberhofen Nr. 5, Herbst 2007)

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